Häufig gestellte Fragen

  • Was ist ein Rating?

    Ein Rating ist generell eine Meinung über die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens (bei einem Unternehmensrating) oder die Güte einer Emission (bei einem Emissions-/Anleiherating). Die Meinung der Güte bei einem Anleiherating bemisst sich insbesondere über erwartete Rückzahlungsquoten im Falle einer Insolvenz des Emittenten. Ratings werden auf einer Ratingskala abgebildet und in eine Reihenfolge im Sinne eines Rankings gebracht.

  • Was ist im Sinne eines Ratings ein Ausfall / Default?

    Ein Ausfall im Hinblick auf ein bestimmtes Unternehmen/einen Emittenten gilt als gegeben, wenn mindestens eines der beiden Kriterien erfüllt ist:

    • Creditreform Rating geht davon aus, dass der Unternehmer / Emittent seinen Kreditverpflichtungen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr nachkommen kann, ohne dass Kapitalgeber / Investoren / Banken auf die Verwendung von Sicherheiten zurückgreifen

    • (eine) wesentliche Kreditverpflichtung(en) des Unternehmens / Emittenten gegenüber den Kapitalgebern / Investoren/Banken ist (sind) mit mehr als 90 Tagen überfällig.


    Verpflichtungen werden als überfällig bezeichnet, wenn der Unternehmer / Emittent das zugesagte Zahlungslimit überschritten hat.

    Als Hinweise auf eine drohende Zahlungsfähigkeit gelten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) folgende Punkte:

    • Kapitalgeber / Investoren/Banken verzichten auf die laufende Belastung von Zinsen (Zinsstundung)

    • Kapitalgeber / Investoren/Banken verkaufen die Kreditverpflichtung mit einem bonitätsbedingten (bedeutenden) wirtschaftlichen Verlust

    • Kapitalgeber / Investoren / Banken stimmen einer unausweichlichen Restrukturierungsmaßnahme zu, die zu einer Reduzierung der Schuld (durch Forderungsverzicht oder Stundung) führt

    • Kapitalgeber / Investoren / Banken haben Antrag auf Einleiten des Insolvenzverfahrens oder vergleichbare Maßnahmen (in Bezug auf die Kreditverpflichtung) gestellt

    • das Unternehmen / der Emittent selbst hat den Antrag auf Insolvenz gestellt
  • Was bedeutet n.r.?

    Der Zusatz n.r. steht für „not rated“. Das heißt, dass es für das jeweilige Ratingobjekt kein aktuelles Rating (mehr) gibt. Diese Ausprägung wird gesetzt, wenn entweder das Rating auf Grund des zeitlichen Ablaufes des Ratings ausgesetzt wurde oder keine ausreichenden Informationen mehr vorhanden sind, um das Rating aufrecht zu erhalten.

  • Was bedeutet i.B.?

    Der Zusatz i.B. steht für „in Bearbeitung“. Dieses Kennzeichen wird gesetzt, wenn aktuell kein gültiges Rating besteht, jedoch ein Auftrag für die Erstellung eines Ratings vorhanden ist.

  • Was bedeutet „watch“?

    Der Zusatz „watch“ wird gesetzt, wenn ein Rating zusätzlich zum normalen Monitoring unter besonderer Beobachtung steht und von einer baldigen Verschlechterung des Ratings ausgegangen wird. In der Regel sind erste Informationen vorhanden, die schon darauf hindeuten, dass eine Verschlechterung eintreten könnte, die aber noch verifiziert oder ergänzt werden müssen.

  • Warum ändern sich Ratings?

    Ratings unterliegen einem Monitoring. Das heißt, dass wir relevante Informationen über die Laufzeit des Ratingauftrages beobachten und ggf. das Rating anpassen. Ein Rating, das einmal vergeben wurde, ist nicht als statisch zu betrachten, sondern kann bei Vorliegen neuer Informationen angepasst werden. Generell ist Creditreform Rating bestrebt, möglichst stabile Ratings zu vergeben. Allerdings ist zu beachten, dass sich gerade mittelständische Unternehmen häufig dynamischer entwickeln als Großunternehmen und daher eher Anpassungen von Ratings zu erwarten sind. Die Anpassung kann positiv (Upgrade) oder negativ (Downgrade) ausfallen.

  • Was machen Sie bei einem Monitoring?

    Entsprechend der Vereinbarung mit dem Unternehmen/ Emittent, aber mindestens ein Jahr lang nach der ersten Feststellung eines Ratings, überwacht Creditreform Rating das jeweilige Rating im Rahmen eines Monitoringverfahrens. Anschließend ist ein Folgeauftrag erforderlich, um das Rating weiter aufrecht zu erhalten.

  • Wie lange ist ein Rating gültig?

    Gültigkeit eines Ratings bedeutet, das Rating wird von uns überwacht und regelmäßig aktualisiert und ist maximal so lange gültig, wie der Ratingauftrag besteht. Typischerweise läuft ein Ratingauftrag ein Jahr lang, danach ist ein Folgeauftrag erforderlich. Allerdings kann ein Rating unterjährig bei Vorliegen neuer Informationen auch angepasst oder ausgesetzt werden. Von diesem Zeitpunkt der Anpassung an ist ausschließlich das neue Rating gültig. Das jeweils aktuelle Rating ist auf der Creditreform Rating-Webseite einsehbar.

  • Wie unterscheidet sich ein Unternehmens- von einem Anleiherating?

    Ein Unternehmensrating gibt eine Meinung der Ratingagentur über die Ausfallwahrscheinlichkeit des Unternehmens wider. Es bezieht sich ausdrücklich nicht auf eine bestimmte Anleihe. Bei einem Anleiherating werden zusätzlich die spezifischen Anleihebedingungen analysiert und das Ergebnis stellt eine Meinung über die Ausfallschwere dar. Das heißt, dass die Analysten abschätzen, wie hoch die erwartete Rückzahlung aus einer Anleihe voraussichtlich sein wird, wenn der Emittent (das Unternehmen) in die Insolvenz gehen sollte. Bei unbesicherten Anleihen ist davon auszugehen, dass im Falle der Insolvenz des Emittenten nur eine geringe Rückzahlungsquote zu erwarten ist. Es wäre somit zu erwarten, dass Ratings für unbesicherte Anleihen in der Regel unterhalb der jeweiligen Unternehmensratings liegen. An den geregelten Börsensegmenten für mittelständische Anleihen werden in der Regel keine Anleiheratings sondern Unternehmensratings dargestellt. Dies hängt mit den Börsenbedingungen zusammen.

  • Warum erstellen Sie für Mittelstandsanleihen Unternehmensratings?

    Dies liegt im Wesentlichen an den Zugangsvoraussetzungen der jeweiligen Börsensegmente. Unternehmen, die sich an den geregelten mittelständischen Anleihe-Börsensegmenten Anleihen notieren lassen wollen, müssen an der Börse ein Unternehmensrating vorweisen. Daher werden auch zumeist Unternehmensratings beauftragt und erstellt. In einigen Fällen haben die Unternehmen ergänzend Anleiheratings beauftragt, um ihre Investoren weitergehend zu informieren. Dies halten wir für einen richtigen Schritt.

  • Emittenten bezahlen die Ratingagenturen. Besteht ein Interessenkonflikt?

    Dass Ratingagenturen von den Emittenten bezahlt werden, ist gängige Marktpraxis. Für die Ratingerstellung fallen Kosten an wie bei jedem anderen Dienstleistungsunternehmen. Dies sind z.B. die Gehälter der Mitarbeiter, Mieten für die Geschäftsräume, Kosten für EDV-Systeme und Daten, Reisekosten, usw. Die theoretische zweite Möglichkeit der Bezahlung einer Ratingagentur wäre die Bezahlung durch Investoren. Diese Möglichkeit würden wir grundsätzlich begrüßen, sie hat sich aber bisher im Markt nicht durchgesetzt.

  • Wie bewahren Sie das Interesse der Investoren?

    In unserer Organisation und in unseren Tätigkeiten haben wir konsequent darauf geachtet, dass Interessenkonflikte minimiert werden, bzw. gar nicht auftreten. Wichtige Punkte dieser Regelungen stellen wir hier dar:

    • Zwischen Ratingvertrieb und Ratinganalyse besteht eine Funktionentrennung. Analysten nehmen nicht an Preisverhandlungen teil und werden auch nicht in Abhängigkeit von einzelnen Ratings bezahlt. Wenn ein Analyst ein „schlechtes“ Rating vergibt, hat das für ihn keinerlei Konsequenzen, weder persönlich noch finanziell. Insofern kann es schon keinerlei Einfluss aus dem Auftragsverhältnis an sich geben.

    • Bei jedem Rating wird überprüft, ob ein bei dem Ratingprozess beteiligter Mitarbeiter eine Funktion beim beurteilten Unternehmen hat, aus der sich ein Interessenkonflikt ergeben könnte. Zusätzlich bestätigt jeder Analyst und Teilnehmer eines Ratingkomitees seine Unabhängigkeit.

    • Es wurde ein Organisationshandbuch verfasst, das Anweisungen für die Durchführung unserer Ratings enthält. Neben fachlichen Themen des Ratingprozesses sind Handlungsanweisungen zur Wahrung der Unabhängigkeit und zur Vermeidung von Interessenkonflikten im Zusammenhang mit der Ratingerstellung umgesetzt.

    • An sämtlichen relevanten Punkten der Ratingprozesse haben wir interne Kontrollsysteme eingeführt. So gilt bei der Durchführung von Ratings generell das 4-Augen-Prinzip. Ein Analystenteam besteht aus mindestens 2 Analysten. Hinzu kommt, dass die Analysten nicht alleine das Rating bestimmen, sondern nur einen Vorschlag unterbreiten, der im Ratingkomitee diskutiert wird. Das Ratingkomitee fällt seine Entscheidungen im Einstimmigkeitsprinzip. Es müssen dem Rating also alle Mitglieder zustimmen. Eine Mehrheitenbildung im Sinne einer Beeinflussung des Ratings ist nicht möglich.

    • Der Compliance-Beauftragte berichtet im Sinne einer Revisionsstelle direkt an den Aufsichtsrat. Er prüft sämtliche Ratingakten auf formale Vollständigkeit und die Einhaltung der Handlungsanweisungen. Er führt Interviews mit Analysten und erstellt Quartalsberichte.

    • Es wurde ein „Compliance-Leitfaden der Creditreform Rating AG“ entwickelt, der von allen Mitarbeitern akzeptiert werden muss. Er beschreibt unsere Grundsätze: Unabhängigkeit, Integrität, Vertraulichkeit, Vermeidung von Interessenkonflikten sowie Beschwerdemanagement.

    • Unsere Überprüfungsstelle ist als Stabsstelle unabhängig tätig. Ziel ist es, die ordnungsgemäße Umsetzung der Ratingmethodik zu überprüfen und die Ergebnisse zu dokumentieren und direkt an die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat zu berichten. Eine wesentliche Aufgabe ist in diesem Zusammenhang das Backtesting von Ratings.

    • Die Vorgaben an Ratingagenturen fordern spezifische Fachkenntnisse im Aufsichtsrat. Externe Mitglieder, die über entsprechende Erfahrung verfügen und diese nachweisen können, sollen die Umsetzung der Überprüfungsprojekte zur ordnungsgemäßen Umsetzung der Ratingmethodik überwachen. Neben der internen Überprüfungsstelle verlangt der Gesetzgeber eine zusätzliche externe Überwachungsfunktion im Aufsichtsgremium. Für alle Mitglieder des Aufsichtsrates ist die Fachkompetenz nachzuweisen.
  • Waren Ihre Ratings zu gut?

    Ein Rating hat generell einen zukunftsbezogenen Charakter. Creditreform Rating arbeitet intensiv daran, über eigene Analysen und Szenarien auf Basis der Unternehmens- und Marktdaten eine Meinung über die Zukunft (des zu ratenden Unternehmens) zu gewinnen. So dauert ein typischer Ratingprozess ca. 8 Wochen, in denen das Unternehmen und sein Umfeld genau analysiert werden. Einige Unternehmen entwickeln sich aber leider anders als wir und auch andere Marktteilnehmer es erwartet haben. Sobald wir abweichende Entwicklungen im Rahmen unseres Monitorings feststellen, nehmen wir dies im Sinne der Investoren zum Anlass, das Rating zu überprüfen und ggf. anzupassen.

  • Waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei Emittenten abzusehen?

    Wenn, z.B. im Rahmen eines Insolvenzverfahrens, die Staatsanwaltschaft bei Unternehmen ermittelt, ist dies ein Hinweis darauf, dass möglicherweise im Vorfeld nicht alles „mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Creditreform Rating  setzt bei ihren Beurteilungen notwendigerweise auf Unterlagen und Informationen des jeweiligen Unternehmens auf. Dabei sind z.B. Jahresabschlüsse, die bereits von Wirtschaftsprüfern geprüft wurden. Unregelmäßigkeiten, die bewusst verschleiert werden sollen, können Analysten aber leider nicht erkennen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Unternehmen, die eine Anleihe emittieren, zuvor einen längeren Vorbereitungsprozess durchlaufen, in dem auch ein Emissionsprospekt erstellt wird. In diesem Zusammenhang werden bereits von begleitenden Banken, Wirtschaftsprüfern, Emissionsberatern und Rechtsanwaltskanzleien Analysen durchgeführt. Im Ratingprozess analysieren wir umfangreich sowohl unternehmensinterne Informationen, wie Jahresabschlüsse, Kreditverträge oder Unterlagen zur Unternehmensplanung, die das zu beurteilende Unternehmen zur Verfügung stellt, als auch öffentlich verfügbare Daten. Die Informationsquellen werden auf ihre Verlässlichkeit geprüft.

  • Wie kam es zu den Insolvenzfällen einiger Mittelstandsanleihen?

    Ein Großteil der Insolvenzen sind der Branche „Erneuerbare Energien“ zuzurechnen. Hier gab es drastische Änderungen der Bedingungen in der Branche, von denen auch Großkonzerne nicht ausgenommen waren. Die Änderungen der Branchenbedingungen waren in dieser Dynamik nicht vorhersehbar. Daneben gab es auch Fälle bei denen die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch so etwas kann in einem Ratingverfahren leider nicht vorweggenommen werden.

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